Unsere Autorin Martina Steinkühler hat uns eine reizende Adventsgeschichte gespendet. Sie trägt den Titel „Es war einmal Jesus“ und wir veröffentlichen jeden Dezembertag ein Stück, bis Weihnachten.

Zum Vorlesen für die eigenen Kinder, in der Grundschule – und natürlich auch zum Selbstlesen!

Es war einmal ein Tag (tausend Jahre sind bei Gott wie ein Tag, sagt Opa), da sah Gott von seinem Thron im Himmel (oder wo auch immer) auf uns runter oder zu uns rüber, wie auch immer, und sagte zu den Engeln: „Ich muss mal wieder unter Menschen.“ Er gab das Fernglas weiter und sagte: „Seht doch selbst: Die Menschen laufen in die Irre wie Schafe. Sind sie nicht wie Schafe, die keinen Hirten haben?“
„Sie brauchen dringend einen Hirten, Herr“, sprach Gabriel, der Verkündigungsengel. „Du kannst nicht ihr Hirte werden, Herr“, sprach Michael, der Wert auf Ordnung und Anstand legte. „Das ist kein Job für einen König.“
Gott runzelte die Stirn. „Jeder gute König ist ein Hirte“, bemerkte er. Dann erklärte er, er werde in Kürze zur Erde fahren (tausend Jahre sind bei Gott wie ein Tag). „Gute Reise“, sagte Rafael, der Reise-Engel.
Die Engel begannen, Gottes Reise zu planen. Zuerst sprachen sie darüber, welchen Ort Gott für seinen Besuch wählen sollte. „Es sollte eine prachtvolle Stadt sein“, meinte Gabriel, „mit einem schönen, großen Palast. Viele Menschen würden Gott empfangen. Sie würden ihm einen roten Teppich ausrollen und Hurra schreien.“ Michael stieß ihn in die Seite. „Halleluja“, zischte er. „Das heißt Halleluja.“
„Es sollte nicht zu heiß und nicht zu kalt sein“, meinte Rafael. „Es dürfte nicht zu viel regnen und nicht zu wenig. Wie wäre es mit einer Stadt in Europa? In Deutschland vielleicht, vielleicht München?“ Michael stieß auch ihn in die Seite. „Das Wetter spielt keine Rolle“, sagte er. „Gott macht das Wetter, schon vergessen?“
„Israel“, sagte plötzlich Gott, „ich muss nach Israel.“ Er stellte das Fernglas scharf auf ein heißes, trockenes Land. Da gab es Berge, ein Meer und einen Fluss. Rafaela, die Nachwuchsengelin, hob scheu den Finger. „Das Land der Väter“, sagte sie, „das Land, darin Milch und Honig fließt. Das Land der Verheißungen, das Land der Freiheit.“ Michael wandte sich besorgt an Rafael: „Was hat sie?“ Rafael warf sich stolz in die Brust. Rafaela war seine Schülerin. „Gelesen“, sagte er, „sie hat gelesen. Alles, was sie sagt, steht in Gottes Buch geschrieben. Gott liebt Israel, er hat es früher schon besucht. Und viele Menschen dort erwarten, dass er wiederkommt.“

Was um seinetwillen soll Gott bloß anziehen auf der Erde? Morgen beraten die Engel weiter.

Weitere Geschichten von Martina Steinkühler finden Sie auf  http://www.martina-steinkuehler.de/.

Um das Gehirn von Menschen und Tieren zu untersuchen, spielen moderne bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanz-Tomografie (MRT) eine zentrale Rolle. Göttinger Forscher des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie haben kürzlich den ersten umfassenden MRT-Atlas vom Gehirn lebender Rhesusaffen veröffentlicht.

Die darin gezeigten Bilder sind in der derzeit höchsten technischen Qualität aufgenommen.  Unter http://www.flickr.com/photos/v-r-bilder/ finden Sie jetzt einige dieser 3D-Bilder verkleinert und in verringerter Auflösung.  Richtig spannend und beeindruckend nicht nur für Primatologen und Neurowissenschaftler.


Michael Kannenberg, Autor der »Verschleierten Uhrtafeln«, wird am kommenden Mittwoch, den 25.11.29009 in Kornwestheim mit dem Philipp-Matthäus-Hahn-Preis 2009 geehrt. Der mit € 3000,- dotierte Preis wird dem gebürtigen Stuttgarter für seine Arbeit über Endzeiterwartungen im württembergischen Pietismus zwischen 1818 und 1848 verliehen. In seinem Buch zeichnet er das facettenreiche Porträt einer bewegten Zeit. Zuvor hatte er für dieses Werk bereits den Johannes-Brenz-Preis erhalten. Wir freuen uns mit ihm und gratulieren ganz herzlich!

Im Rahmen eines wissenschaftlichen Festkolloquiums zur Geschichte des Kapitalismus wurde Jürgen Kocka, Autor, Herausgeber und Spiritus rector zahlloser historischer Bücher bei V&R, feierlich in den wissenschaftlichen Unruhestand verabschiedet. Freunde, Kollegen und Wegbegleiter aus dem In- und Ausland waren dazu nach Berlin ins Harnack-Haus gekommen, wo man mit musikalischer Rahmung zunächst Wolf Lepenies beim Festvortrag lauschte, bevor es am nächsten Tag mit Vorträgen von Hans-Ulrich Wehler (Bielefeld), Charles Maier (Cambridge, USA), Ute Frevert (Berlin), Marcel van der Linden (Amsterdam), Gudrun Krämer (Berlin) und Hartmut Berghoff (Washington) in den angeregten historischen Diskurs ging. Der »Kocka-Klub« (Gudrun Krämer) diskutierte und feierte mit der immer wieder inspirierenden, ansteckenden Freude am Miteinander. Mögen Sie uns noch lange anregen, fordern und fördern, lieber Jürgen Kocka!

Professor Dr. Dr. Jürgen Kocka, langjähriger Autor und Herausgeber dieses Verlags, sind von Wissenschaftssenator Professor Dr. E. Jürgen Zöllner die Ordensinsignien des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgehändigt worden. Der Historiker wird damit für seine wissenschaftlichen Verdienste gewürdigt. Mit seinem dezidiert international orientierten Blick auf die Geschichte verhalf Jürgen Kocka vor allem der historischen Komparatistik zu wichtigen Impulsen. Zudem sieht er sich in der politischen Verantwortung und mischt sich immer wieder in öffentliche Diskussionen ein.

Anlässlich seiner Verabschiedung von der Freien Universität Berlin wird er am 6. und 7. November mit einem Internationalen Wissenschaftlichen Festkolloquium »Geschichte des Kapitalismus. Interdisziplinäre Blickwinkel« geehrt.

Zusammen mit Hans-Ulrich Wehler begründete Jürgen Kocka die so genannte Bielefelder Schule, als deren Forum die bei Vandenhoeck & Ruprecht herausgegebene Zeitschrift »Geschichte und Gesellschaft« gilt. Er ist ebenfalls einer der Gründungsherausgeber der bei V&R erscheinenden »Kritischen Studien zur Geschichtswissenschaft« sowie Autor zahlreicher Bücher, unter anderem der Reihe »Bürgertum« und »Interventionen. Der Historiker in der öffentlichen Verantwortung«.

Die Göttinger sind eine fantastische Spezies. Sie schauen so freundlich strahlend, tolerant und sogar liebevoll drein. Allerdings fällt mir das so richtig erst seit Samstagabend auf. Sollte es an meiner Wahrnehmung liegen?

Ich war in der Literaturherbst-Veranstaltung mit Gerald Hüther. Aber der Reihe nach.

Samstagabend

»Männer – Das schwache Geschlecht …«.  Mit ihrem kümmerlichen Y-Chromosom fehlt den Männern sozusagen ein Reserverad: ein stattliches zweites X-Chromosom (die meisten Anwesenden wie ich verfügen darüber). Spontan fallen mir eine Menge kleiner Jungs ein, weit weniger widerstandsfähig als ihre Schwestern, eine Reihe umgänglicher, kompromissbereiter Männer, die entschlossene Frauen an ihrer Seite haben.

Meine Beobachtungen sind also ganz auf der Höhe der biologischen Forschung.

Weiter so, Herr Hüther.

Das Fatale ist nun, dass die kleinen Jungs vorgeburtlich ein Testosteronbad verabreicht bekommen. Daraufhin rücken die Krachmacher-Instrumente in ihrem Seelenorchester nach vorne und übertönen die harmonischen, lieblichen Klänge. Die Jungs wollen was ganz Besonderes leisten und suchen Anerkennung, auf Deubel komm raus. (mehr…)

Heftige Diskussionen und anhaltenden Medienwirbel löste die Pressevorstellung unseres Herbst-Toptitels »Feind-Bild Springer. Ein Verlag und seine Gegner« am Montag abend in der Berliner Kinemathek am Potsdamer Platz aus.

Schon die Sonntagszeitungen hatten auf das Buch und den begleitenden ARD-Film von Tilman Jens (Austrahlung heute abend um 23:15 Uhr) hingewiesen. Am Montag abend, zur Preview des Films, kamen dann rund 100 Journalisten, um mit dem Filmemacher, den Buchautoren und prominenten Zeitzeugen zu diskutieren.

Dabei ging es dann zeitweise hoch her: Peter Schneider und Thomas Schmid, in den Sechzigern noch radikaldemokratische Kampfgefährten, fühlten sich nebeneinander auf dem Podium sichtlich unwohl und beharkten sich bei jeder Gelegenheit, die ihnen die souverän agierende Moderatorin Anke Plättner ließ. Peter Schneiders Vorwurf, im Film würde das alte Märchen der aus dem Osten ferngelenkten Studenten neu aufgewärmt, wo es doch für den Protest gegen die Hetzartikel in Springerblättern ganz andere, radikaldemokratische Motive gegeben habe, fegte der zum Chef der WELT-Redaktionen avancierte Schmid mit dem Hinweis auf unfeine Verbalattacken der Studenten beiseite. Aber auch von anderer Seite mussten Schmid und Jens sich gegen den Vorwurf zur Wehr setzen, man betreibe eine Pro-Springer-Kampagne, der Film sei zum Heldenepos mißraten. Schließlich habe Ostberlin sogar mit dem Material von Springers Chefsekretärin »Rosi«, die ihrem »schönen Gerd« von der Stasi so ziemlich alles verriet, was ihr im Büro durch die Finger ging (und das war so ziemlich alles), dem umstrittenen Verleger nicht schaden können. (mehr…)

Klaus von Mering

In der Woche vor dem Reformationsfest (also vom 26. bis 30. Oktober) ist unser Autor Pastor i.R. Klaus von Mering aus Rastede wieder im Radio zu hören. Nachdem er sich vor einem Jahr zur gleichen Zeit mit Martin Luther auseinander gesetzt hatte, erzählt er diesmal von dem Reformator Phil­ipp Melanchthon. (mehr…)

In seinem neuen Buch reagiert der renommierte Praktische Theologe Professor Christian Möller auf das Impulspapier der EKD „Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert!“. Lasst die Kirche im Dorf! Jetzt sollte erst einmal Schluss sein mit exotischen, schwer zu verstehenden Vorschlägen, Schluss mit künstlichen Plänen, die auf den Tisch kommen, oft gut gemeint, aber selten verstanden. Möller ruft in seinem Buch dazu auf, bei der Suche nach Problemlösungen das nächstliegende nicht zu übersehen und damit die Probleme nicht noch zu vergrößern.  Er plädiert dafür „im Blick auf das Wesentliche auf dem Weg der Evangelischen Kirche“ dort innezuhalten und hinzuschauen, wo sie „Kirche der kurzen Wege ist“ und somit den Menschen nahe. Die Menschen brauchen die lokale Anbindung. Es sollte nicht von oben herab entschieden werden, sondern dort bei der Problemlösung angesetzt werden, wo kirchliches Leben und Tradition beheimatet sind. Also „Lasst die Kirche im Dorf!“, wagt den Aufbruch, beginnt mit der basisorientierten Arbeit und leistet gegenseitige Hilfestellungen in kritischen Zeiten. Dafür kann das Buch wertvolle Anregungen geben. Dann können Beteiligungsgemeinden entstehen und ganz neue Handlungsspielräume erwachsen.

Am Freitag begebe ich mich gleich zum Forum Literatur und Sachbuch. Auf der Bühne befinden sich der 104 jährige Österreicher Leopold Engleitner und sein Biograf Bernhard Rammersdorfers. Leopold Engleitner ist der älteste Überlebende des KZ Buchenwald bei Weimar. Er sieht eher aus wie 80.

Der 104 jährige Leopold Engleitner und sein Biograf Bernhard Rammersdorfers

Der 104 jährige Leopold Engleitner und sein Biograf Bernhard Rammersdorfers

Vor uns sitzt ein gut gekleideter freundlich blickender älterer Herr im Rollstuhl. Nur wenn er auf die Fragen von Bernhard Rammersdorfers antwortet, merkt man, dass er doch schon etwas älter als 80 Jahre sein muss. Viele sind gekommen und hören gebannt zu, wenn er über seine Begegnung mit dem Kaiser Franz Josef und seine Erfahrungen im KZ erzählt. Als der Kurzfilm über ihn gezeigt wird, stehe ich auf und gehe zur Halle 4.2, da ich den Film schon kenne. (mehr…)

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