Als ich vor einigen Wochen in der Bahn nach Bergisch Gladbach saß, lag eine Ausgabe einer großen deutschen Zeitung besitzerlos und unordentlich zusammengefaltet auf dem Tisch. Ich falte meine eigene Tageszeitung auseinander und muss aufpassen, dass ich meinen Mitreisenden nicht behindere. Der Wunsch nach einer kleinformatigen Zeitung steigt in mir auf.
Oder wäre ein Laptop mit der Online-Zeitung die bessere Lösung?
Auf der Rückfahrt sitzt ein Jugendlicher mit einem Laptop neben mir und ein Herr mit einem ebensolchen mir gegenüber. Auch alles recht sperrig und ein schnelles Zusammenpacken ist sicherlich nicht möglich. Dies kann dann also auch nicht die bahnfreundlichere Form des Zeitungslesens sein. Wäre es denn jetzt nicht viel schöner, die Zeitung auf dem Handy oder dem BlackBerry zu lesen?
Behindern würde ich damit niemanden, aber wenn man so jenseits der 50 (J.) ist, dann verlangen die Augen nach einer Lesebrille und Großbuchstaben. Das wiederum erhöht auch nicht gerade den Genuss, die Zeitung elektronisch zu lesen …

Werden Zeitungen als Printausgabe überhaupt noch gebraucht? Kommentare aus Zeitungsartikeln kann man heutzutage doch schon im Radio hören. Klasse wäre jetzt ein iPod mit Radiofunktion. Neidvoll sehe ich auf den jungen Mann auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges. Musik tönt aus seinen Kopfhörern. Bumm, bumm. Das wiederum bringt den ihm gegenüber sitzenden Fahrgast auf den Plan: »Können Sie Ihr Gerät leiser stellen?«
Ich widme mich nun wieder meinem Nachrichtenmagazin in handlicher DIN A4-Größe.

Als das Buch »Wozu noch Zeitungen?« bei uns erschien, war mir klar: „Das muss ich unbedingt lesen“. (Eine ausführliche Rezension kann angefordert werden.) Das Buch trifft genau den Zeitgeist. Auch das Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 7. Mai trug den Titel »Wozu Zeitung – Das Netz diskutiert«. Diskutiert wird gegenwärtig auch in Deutschland, ob die »gute alte Zeitung« bald ausgedient oder ob sie in anderer Form neben dem Internet Bestand hat. Der Rückgang der Abonnentenzahlen spricht seine eigene Sprache. Die jüngere Generation ist es ja gewohnt ihre Nachrichten kostenlos aus dem Netz zu erhalten. Doch wehe, wenn Google News einmal nicht funktioniert, wie dies kürzlich geschehen ist. Dann gibt es auch keine Übersicht mit Nachrichten. Man muss sich dann mühsam seine Infos selbst zusammensuchen. Viele vergessen, dass Google selbst keine Nachrichten produziert, sondern auf Zeitungsartikel zurückgreift. Gut recherchierte Artikel werden aber von fähigen Journalisten geschrieben, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Würden die Stellen der Journalisten immer mehr wegrationalisiert, gäbe es auch weniger qualitativ guten Journalismus. Aber deshalb lesen wir ja eigentlich die Zeitung. Wir wollen gut informiert sein.

Ich bin auf die künftige Form der Zeitungsverbreitung gespannt. Mir persönlich würde meine Wochenendzeitung sehr fehlen, da dies auch etwas mit »sich wohlfühlen« und »entspannen« zutun hat. Allerdings, ich hätte nichts dagegen, wenn das Zeitungsformat etwas kleiner wäre.