So lautet der Titel des Buches, das die Berater und Coaches Markus Hänsel und Anna Matzenauer im Mai 2009 herausgegeben haben und das sich um Sinnsuche und Sinnkrise im beruflichen Alltag dreht. Das Fragezeichen im Buchtitel »Ich arbeite, als bin ich?« ist symptomatisch: Zweifel am Stellenwert von Arbeit im Allgemeinen und an ihrer Sinnhaftigkeit im Speziellen sind heutzutage weit verbreitet. Also ein Buch nur für Leute mit Job? Oder doch auch für die derzeit wieder steigende Zahl von Arbeitslosen, Joblosen? Diese von einer PR-Kollegin gestellte Frage ist nur allzu berechtigt – deren Beantwortung hängt jedoch letztlich von der Interessenausrichtung der Leserschaft ab.

Das Auseinanderklaffen von Berufung und Beruf, die Schräglage einer eigentlich anzustrebenden Work-Life-Balance, die nicht allen Menschen mögliche Flexibilität, die die berufliche Laufbahn in unserer Zeit nicht nur prägt, sondern bereits Voraussetzung ist, all dies sind die typischen Erscheinungen des modernen Arbeitslebens in unserer modernen – oder schon postmodernen – Gesellschaft. Wie ist die Unzufriedenheit einer 54-Jährigen Sekretärin zu bewerten, die mir ihr Leid klagt wegen Arbeitsüberlastung, Unverständnis von Seiten ihrer Chefs (sie hat gleich drei davon, die Anstellung in der Univerwaltung macht’s möglich), sogar der Begriff »Mobbing« fällt. Sollte sie nicht glücklich sein, überhaupt in Lohn und Brot zu stehen? Hat sie in diesen Zeiten ein Recht darauf, sich zu beklagen? Hat es für sie noch Sinn, eine berufliche Veränderung anzustreben, um die Jahre bis zur Rente vielleicht doch noch zufriedener im Job zu sein? Dabei rechnet sie sowieso damit, über 67 Jahre hinaus arbeiten zu müssen, denn die Rente würde sonst nicht reichen …

Der erwerbsfähige Teil der Gesellschaft scheint zweigeteilt: Diejenigen mit Job stellen übereinstimmend fest, dass der Erwartungsdruck, das Arbeitsvolumen, die Anforderungen stetig steigen – diejenigen ohne Job beneiden Erstere trotz der beruflichen Be- und Überlastungen. Sie wären manchmal – vielleicht sogar oft! – geradezu froh über solch eine Lebenslage.

Zu dieser alles in allem scheinbar miesen Lage setzt das Buch Kontrapunkte. Die Beteiligten liefern alternative, konstruktive, positive Sichtweisen. Sie postulieren das Verbundensein von Leben und Arbeiten, sie schildern aus ihren eigenen beruflichen Erfahrungen, wie das auch in heutigen Krisenzeiten möglich ist, sie zeigen, wie die Arbeit wieder mit Sinn gefüllt werden kann. Neben dem hierfür meist blinden Mainstream unserer Leistungsgesellschaft existieren wohltuende und Mut machende andersartige Blickwinkel: im Team um der Sache willen an einem Strang ziehen statt narzisstischer Eitelkeiten, Kränkbarkeit und Konkurrenzdenken nachgeben; Vorschussvertrauen trotz Enttäuschungen, das sich dann doch noch lohnt und zu einem nicht nur geschäftlichen, sondern zugleich menschlichen Umgang miteinander führt; an seiner jeweiligen Arbeitsposition seine persönlichen Fähigkeiten und Kompetenzen entdecken und fruchtbar einbringen – das macht dann nicht nur den Einzelnen zufrieden, sondern nützt zugleich der Gesamtheit. Und das Spannende ist ja, dass Menschen im Beruf verschiedenartigste Talente mitbringen (Achtung Führungskräfte: Dies ist kein Störfaktor, sondern vielfach gewinnbringend!). Auch eine buddhistische Grundhaltung kann ein Unternehmen zu wirtschaftlichem Erfolg führen, wie es Begründerin und Geschäftsführerin Ute Leube von „Primavera“-Naturprodukte in ihrem Interview erzählt. Und die ehemalige Oberbürgermeisterin von Heidelberg, Beate Weber, hat es mit ihrer Inspiration und ihrer ethischen Gesinnung geschafft, sozial gerechte Projekte und echte Bürgerbeteilung in der Stadtpolitik umzusetzen. Diese Autoren sind vielleicht in gewisser Hinsicht Idealisten, aber weiß Gott keine Träumer.

Bevor dieser Beitrag zu einer seitenlangen Schwärmerei gerät, möchte ich nur sagen: Für mich, die mit diesen Texten des Sammelbands beruflich zu tun hatte, waren sie (und sind sie weiterhin) gewinnbringende Anregungen, denen ich Verbreitung und natürlich Beherzigung wünsche!